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Landeserstaufnahmeeinrichtung in Ellwangen, eine humane Einrichtung für Flüchtlinge

Veröffentlicht in AG 60plus


Die AG-60plus in der LEA in Ellwangen

SPD-Senioren der Ostalb dort auf sehr informativem Besuch

Berthold Weiß, der Leiter der LEA, hieß die SPD-Senioren am Südeingang der ehemaligen Kaserne herzlich willkommen und begann einen gemeinsamen Rundgang durch das Drittel der riesigen etwa 200 ha großen Gesamtanlage, das den Asylanten vorbehalten ist. Früher sorgte die Bundeswehr mit etwa 3500 Soldaten an diesem Standort auch als Wirtschaftsunternehmen für lokale Beschäftigung und Verdienste, welche die LEA, die auch ein Nachfolgewirtschaftsunternehmen ist, in diesem Umfang mit aktuell insgesamt. 80 Angestellten von Kreisbehörde, Land und Bund sowie 60 Beschäftigten eines Security-Unternehmens nicht bieten kann.

Deshalb trauern heute noch viele Ellwanger der Bundeswehr nach, obwohl es damals auch Kritik an Panzerlärm, Lasterverkehr des Transportbataillons und dem kollektiven Lärm, den Wehrpflichtige bei ihrer Entlassung zu machen pflegten, gab. Heute befreie das LEA-Privileg den Landkreis von der Verpflichtung, Flüchtlinge nach ihrer Registrierung in der LEA aufzunehmen, geschehe deren Wohnen in Schwäbisch Gmünd und anderswo auf freiwilliger Basis.

Im Krisenjahr 2015 wurde die LEA im April eingerichtet, rechnete man mit 500 – 1000 Aufnahmen von Flüchtlingen pro Monat. Im Maximum gab es aber im September 1300 Aufnahmen pro Woche, „alle Ressourcen gingen durch die Decke“, eine fast fünffache Überbelegung der Plätze sorgte dafür, dass im Landkreis keine Feldbetten oder Decken der Hilfsorganisatoren mehr zur Verfügung standen. Damals sorgten Diakonie, Caritas und Rotes Kreuz in sehr guter Kooperation, insgesamt 250 Beschäftigte der LEA sowie 300 ehrenamtliche Kräfte dafür, dass „in Ellwangen die Stimmung nie kippte“.

Die Willkommenskultur blieb intakt, obwohl sich auch Kriminelle unter die Asylbewerber mischten, es zu Brandstiftungen und vielen Ladendiebstählen kam. Die umlaufende Erzählung, dass vor kurzem deshalb ein Supermarkt neben der LEA geschlossen wurde, wies Berthold Weiß in den Bereich der Legendenbildung. Uschi Hirsch aus Westhausen erklärte entschieden, dass der gemeinte Edekamarkt in unmittelbarer Nähe der LEA heute bei erträglichen Flüchtlingszahlen kein großes Problem mehr mit dem Verhalten der Flüchtlinge habe. Es wurde von Herrn Weiß auch belegt, dass eine finanzielle Bevorzugung der Asylanten zulasten der Rente der Oma, wie es ein Wahlplakat der NPD mal behauptete, eine Lüge ist. Er legte dazu genaue Zahlen vor: die Flüchtlinge schlafen auf Stockbetten mit 2- 8 Personen pro Zimmer – also ähnlich bescheiden wie die früher dort untergebrachten Soldaten.

Jede Person hat nur einen Spind, ein Stuhl und ein Bett zur Benutzung – es gibt also keinerlei Luxus. Unterkunft und kollektive Verpflegung dreimal am Tag sind umsonst, sofern der Asylant keine finanzielle Mittel über 400 € besitzt – dann erhält er nämlich eine Rechnung, bis seine Finanzen über der genannten Grenze aufgebraucht sind. Als schmerzhaft empfindet es dabei der Leiter, wenn er erfährt, dass eine Familie im Orient Haus und Hof verkauft hat, mit dem auf der Flucht geretteten Geldbetrag sich in Deutschland eine eigene Existenz aufbauen wollte, jetzt aber vieles davon in der LEA abgeben muss.

Zwei Kriminellen mit Autos wurden diese abgenommen und verkauft, der Ertrag mit den LEA-Kosten verrechnet. Für jede Person gibt es 130 € Taschengeld pro Monat. Allenfalls könnten die Asylbewerber für gemeinnützige Aufgaben in der LEA wie Grünpflege oder bei der Essensausgabe 80 Cent pro Stunde dazuverdienen. Aber im übrigen „sind sie unsere Gäste“, die nicht im Knast wie in Ungarns Erstaufnahmelager leben, sondern frei die Anlage verlassen und wiederkehren könnten. Dabei müßten sie sich jedesmal ausweisen, der Computer registriere ihre Anwesenheit, erst nach 14 Tagen Abwesenheit würden sie zur Fahndung ausgeschrieben. Im Regelfall müßten sie nur ihre Termine der Registrierung und des Gesundheitschecks wahrnehmen.

Frank Haenschke aus Aalen kommentierte ironisch mit einem Wortspiel: „wir sind urban, nicht Orban.“ Schweine- und Rindfleisch in der Kantine sind tabu, für Inder und Moslems kommt nur Geflügel auf den Tisch. Diese Halal-Verköstigung gibt es für alle, auch die LEA-Beschäftigten, um Konflikte zu vermeiden. Insgesamt also eine bescheidene, aber immer humane Behandlung. Hans Rieger aus Ellwangen berichtete, dass er in der LEA Sprachkurse gebe, Uschi Hirsch erzählte, dass sie im Team in der Nähstube bei Änderungen der Kleidung ebenfalls ehrenamtlich mithelfe. Am Schluss dankte Marga Elser, die SPD-Kreisvorsitzende der AG 60+, für den „ungeheuer lehrreichen Rundgang“ und wünschte Herrn Weiß viel Erfolg bei seiner wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe der Konversion der militärischen Einrichtung in eine, „die Menschen aus großer Not aufnimmt“.

Verfasser: Karl Hermann Koschorreck

 

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